Das ist auch so eine Geschichte für sich.
Damals
Als ich jung war ... fuhr ich auch Motorrad.
Das war so ein typischer ostdeutscher Fahrzeuglebenslauf: Dreirad,
Roller, Fahrrad (insoweit bis hierhin sicher kein allein typisch
ostdeutscher Verlauf), Moped, Motorrad, Trabbi, Auto.
Und für alles wurde natürlich Stück um Stück der
Führerschein erkämpft. Das hieß nicht
Führerschein, denn Führer hatten wir schon lange nicht mehr.
Fahrerlaubnis klingt besser, genannt die Fleppen. Bei der GST (GeeSTe,
Gesellschaft für Sport und Technik) habe ich die ganzen
Zweiradprüfungen abgelegt. Ein wenig kann ich mich noch erinnern
an die alte grüne MZ ES 150, mit der wir über das Pflaster
vom Sachsenwerk und die Straßenbahnschienen in Dresden-Leuben
gebrettert sind.
Kurz und gut, über Mopped (Jawa20, Simson Star) kam ich auch zum Motorrad.
Mein erstes war eine MZ TS 150, blau, gebraucht. Sie hat mir lange
Jahre gedient, mit allen Pannen, die man haben kann. Zeitweise - wenn
sie kaputt war und ich trotzdem pünktlich am Standort
einrücken musste - habe ich mir den CZ-Roller von meinem Bruder
geborgt. So ein blaugraues Luftschiff aus der Tschechei mit
175ccm-Motor, Anlasser und mehr was für Frauen. War gut bei jedem
Wetter, weil er rundum schön verkleidet war und mit
Fußbrett, vorn und hinten Gepäckträger und
Superfederung. Als obsdu schwebst!
Als ich dann meine Liebste schon kannte und von der Kaserne im Urlaub
auch öfter mal ein weiteres Stück bis zu ihr fahren wollte
(damals waren 200 km schon eine Entfernung - ich meine, fahr das mal
mit einem Trabbi!), haben
wir unser Geld zusammengekratzt und haben uns in Dresden eine
große MZ gekauft. Eine 250er TS Strich Eins in rot und nagelneu. Die konnte
ich sogar gleich mit aus dem Laden nach Hause nehmen. Echt, ich
erinnere mich dran. Bezahlt und mitgenommen. Angi war
natürlich dabei. Das war schon ein Geschoß. Nicht mehr
mit Mühe bis auf 100, sondern locker. Allerdings auch nicht viiel
schneller.
Aber egal, ich flog von nun an zu meiner Liebsten.
Angi hat übrigens auch die Fleppen und ist auch Motorrad gefahren.
Und wie. Seht ihr hier auf dem Beweisfoto. Das war allerdings noch die
150er. Angi hat uns z. B. einmal reaktionsschnell vor einem Kolbenklemmer
gerettet.
Na, lasst Euch die ollen Kamellen erzählen. Zelten fahren und bei Regen. Fast eingeschlafen auf dem Motorrad. War mal.
Irgendwann, als wir schon Familie waren und Kinder hatten, habe ich das
Motorrad dann verkauft. Mit Kindern - das ging nicht. An Beiwagen haben
wir gar nicht gedacht, aber ob wir das gewollt hätten? Ein Trabbi
stand an. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Heute
2004 hatten wir Silberhochzeit. Ha, sicherlich auch, weil wir früher oft gemeinsam Motorrad gefahren sind.

Naja, jedenfalls gab es DEN Silberhochzeitsknaller für mich: Angi
hat bei eBay eine MZ TS 250/1 für mich ersteigert! Und mit Hilfe der ganzen Familie und mit vielen Freunden und viel
Mühe und einigen Pannen heimlich, ohne dass der Alte, das Familienoberhaupt, was merkt, auf das Grundstück gebracht.
Und da sass sie nun, die Silberbraut, und freute sich über mein zuerst verduztes und dann lachendes Gesicht.
Und ich? Ich war happy. Ich habe einen Motorradführerschein, ich bin über 45, ich
bin ein Mann - beste Voraussetzungen für die Anschaffung eines
Motorrades.
Das ist zwar ein älteres Modell, aber es hängen viele
Erinnerungen dran. Scharf auf Geschwindigkeitsrekorde bin ich nicht. Dafür macht mir schrauben Spaß. Und dieses 30 Jahre
alte Teil gibt meiner Hochachtung vor alten Ingenieursleistungen neue
Nahrung. Es ist im Vergleich zu heutigen Maschinen sicher einfacher. Es
hat Verarbeitungsmacken, weil in der DDR nicht immer das
Ausgangsmaterial verfügbar war, welches das Beste gewesen
wäre. Aber - es fährt. Und wie! Wie früher. Der Klang.
Der Geruch. Die Macken.
Hier gibt es ein paar Bilder davon:
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